Meine Reise zum Starptautiskā Rakstnieku un tulkotāju māja (Writer’s and Translator’s House) nach Ventspils
Verkehrsmittel: Deutsche Bahn, ÖPNV in Lübeck, Stenaline-Fähre nach Liepaja (Lettland), Überlandbus Eurolines nach Ventspils.
30. Juli, Lübeck
Mit der DB von Köln über Hamburg nach Lübeck (22 Euro plus DT, ca. 5 Stunden, ziemlich pünktlich) angekommen. Weiter geht’s mit dem Schiff von Travermünde nach Liepaja: Als ernsthafte Hürde stellt sich das Unterfangen dar, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Lübeck City zum Schiffsterminal Skandinavienkai zu gelangen. Davon handelt dieser Text.
Mein App zeigte mir von meiner Unterkunft aus insgesamt 1 Stunde 17 Minuten an, davon 21 Minuten zu Fuß. Nicht ganz so toll, wenn man 22 Kilogramm Gepäck dabei hat. Zudem ist Starkregen angekündigt. Kann ja nicht sein, sagte eine Frau an der Bushaltestelle und schaute in ihrer App, die eine andere App als meine ist, ok, hm, bei mir steht das auch so. Am besten, Sie fragen die Busfahrerin, die muss es ja wissen.
Ein Bus diskutiert
Während wir in den Bus einsteigen, schaltet sich ein Mann ein, er ist Volunteer beim Deutschlehrertreffen, das in dieser Woche in Lübeck stattfindet, ich suche Ihnen die beste Verbindung raus, ich habe mich da ein bisschen in die Materie eingelesen, sagte er. Die Frau und lächeln uns an. Aber der Mann kommt leider auch zu keinem anderen Schluss, als dass ich den Bus nehmen und dann 21 Minuten zu Fuß laufen muss.
Doch doch, erklärte die Busfahrerin, die ein wenig empört wirkt ob des mangelnden Vertrauens in das Lübecker ÖPNV-Netz, natürlich fährt ein Bus direkt zum Terminal, die 36. Die fährt einmal die Stunde, nur einmal am Tag fährt sie nur alle zwei Stunden. Das ist vermutlich gerade jetzt, sagt der Volunteer. Muss ja auch mal Pause machen, sagt die Frau mit der App. Sind Sie sicher, frage ich die Busfahrerin, na hören Sie mal, sage sie, ich bin selbst schon die 36 gefahren.
Ich habe es jetzt geschafft, dass der halbe Bus über mein Problem diskutiert. Es ist eine Schande, sagt jemand. Offenbar fahren nur selten Menschen mit dem Schiff nach Lettland, was mich angesichts der schlechten ÖPNV-Verbindung nicht wundert.
Ausstieg im Nirgendwo
Am Ende befrage ich meine Wander-App und steige im Nirgendwo aus und biege neben der Bushaltestelle in eine kleine als Rad- und Fußweg gekennzeichnete Straße ein. Von hier aus sind es laut App nur 14 Minuten zum Terminal. Ich gehe über eine Brücke, der Mohn blüht und im Gebüsch raschelt ein Tier. Ich rolle meinen Koffer die kleine Straße entlang, mein Rucksack drückt ein bisschen an der Schulter. Der angekündigte Regen bleibt aus.
Am Ende der Straße steht ein Lastwagen ohne Anhänger, ich denke, dass er nackt aussieht, wie eine Mottenlarve, die noch keine Flügel hat. Von hier aus sehe ich schon die große Straße mit den vielen Autos und Lastwagen, die sich in ihre Spur zum Terminal einreihen. Ich entdecke in einer Stichstraße ein Bushaltestellenschild, ah, die Linie 36, denke ich und folge ihr durch ein Industriegebiet und denke daran, wie ich vor 40 Jahren einmal nach Griechenland getrampt und in Piräus auf dem riesigen Zollgelände vor den Toren der Stadt gelandet war, es hatte fast 40 Grad und die LKW standen dort Seite an Seite im dreckigen Sand. Ein kleines schwarz-weißes Kätzchen lag auf der Seite, es war voller Staub, Blut floss aus seiner Flanke, es weinte herzzerreißend. Ich bückte mich zum Kätzchen, das mich mit aufgerissenen Augen ansah; es musste höllisch wehtun, von einem Lastwagen angefahren zu werden. Ich streichelte es, bis es ein paar Minuten später starb.
Auf der Industriestraße in Travermünde bin ich die einzige weit und breit und kurz durchzuckt mich die Angst, dass ich an diesem Ort ganz falsch bin. Dann sehe ich wieder das Bushaltestellenschild der Linie 36 und bin am Terminal der Skandinavischen und Baltischen Fährlinien angekommen. Niemand hindert mich am Eintreten.






