#SiXHOURSLATER (0). Bericht aus Quebec.

13.9.2021 Ich bin da. Wie es dazu kam, könnt ihr auf dem Literaturportal Bayern nachlesen. Dort darf mein Blog während meiner Zeit in Quebec wohnen. Einfach auf das Bild klicken.

Anflug auf Quebec: SiXHOURSLATER jetzt auf www.literaturportal-bayern.de lesen

WHEREAMiNOW (7)

28.8.

Die letzten Tage habe ich Spukhafte Fernwirkung zu Ende geschrieben (mal wieder!; wenn für alle Romane, für alle Texte überhaupt gilt, dass sie nie zu Ende geschrieben sind, so gilt das für Spukhafte Fernwirkung 22,43 mal im Quadrat, was der aktuellen Seitenzahl entspricht) und ansonsten bin ich etwas melancholisch durch die Gegend gestromert. Zum Beispiel habe ich die Stelle gesucht, an der die Passer in die Etsch fließt. Aber die Straße dorthin endet in einem Fußgängerweg, der parallel zur Bundesstraße von Meran nach Bozen abbiegt. Ich musste an Mannheim denken, die einzige Stadt in Europa, die aus der Mündung eines mittelgroßen Flusses (Neckar) in einen großen Fluß (Rhein) kein Marketingevent macht, wie man mir erklärt hat, als ich im Juli dort war. Das macht Mannheim irgendwie sympathisch.

Unterschiede und Unterschiede

In Meran hat es einen Beigeschmack, denn dort wird eben alles zu einer herausgeputzten Sehenswürdigkeit, zumindest wenn es im richtigen Viertel ist. Die Mündung der Passer in die Etsch ist definitiv nicht im richtigen Viertel, wer will schon neben einer Schnellstraße wohnen? Komisch, dass Viertel wie diese überall auf dieselbe Weise vernachlässigt sind – konträr zu Tolstois Bonmot über die unglücklichen Familien, die auf sehr unterschiedliche Arten unglücklich sind. Merke: Stadtviertel sind keine Familien. Aber oft wohnen welche darin.

Das schönste Schwimmbad der Welt

In Schenna befindet sich das laut Googlekommentaren schönste Freibad der Welt. Und tatsächlich – der Lido Scena ist eine kleine architektonische Perle in seiner sachlichen Geradlinigkeit. Er setzt ganz auf die Umgebung. Das Wasser ist kalt, es gibt keine Eventbadschnickschnacks außer einer Wasserrutsche und gemütlichen Sesseln vor den Haartrocknern. Der Kiosk verkauft Eis, Pommes und Bier, aber auch Cocktails und es läuft irgendwie coole Mucke, so Independentzeugs aus den 80ern. Im obersten Stockwerk befindet sich ein Restaurant mit einem Aussichtssteg, der mich ein bisschen an den Matteo’schen Sternengucker in Schloss Trauttmansdorff erinnert hat. Und tatsächlich – beide sind 2005 gebaut worden. Moderne Architektur funktioniert hervorragend in dieser Alpenkulisse, gerade auch wegen des Kontrasts zur oft verkitscht reproduzierten bäuerlichen Traditionsbauweise.

Beste Freundinnen

In Meran gibt es ein Frauenmuseum – und das schon seit 1988! Ich war überrascht, wie gut besucht es an einem Samstagmorgen war. Es ist bestens vernetzt, ist sogar Koordinatorin des weltweiten Netzwerks der Frauenmuseen – der International Association of Women’s Museums (IAWM), deren Schirmherrin die Iranerin Shirin Ebadi ist, die erste muslimische Friedensnobelpreisträgerin. In der oberen Etage beschäftigt sich eine Ausstellung mit der Geschichte der modernen Frau anhand ihrer Kleidung – von der Krioline im Biedermeier zum Minirock im 20. Jahrhundert. Im Fokus steht die bürgerliche Frau, die sich in ihrer Kleidung immer auch deutlich von der proletarischen Frau abgrenzte. So wie sich patriarchale Hierarchien schon immer auch in der Kleidung zeigten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war es z.B. nichtadeligen Frauen verboten, bestimmte Kleidung zu tragen, die den Damen vornehmer Herkunft vorbehalten waren. Wer will schon aussehen wie ihre Zofe! So kann es natürlich nichts werden mit der Solidarität.

Was mir etwas fehlte, war die Auseinandersetzung mit Trachten und religiöser Kleidung, z.B. mit dem Kopftuch. Auch hier geht es in der Wahrnehmung ja ganz stark um Zugehörigkeit und Abgrenzung.

Das Untergeschoss zeigt Frauenfreundschaften und Frauenlieben. Ich begegnete Louise F. Pusch, Simone de Beauvoir, Bettina von Arnim, Adele Schopenhauer oder Anita Augspurg und ihren Beziehungen zu ihren besten Freundinnen, Lebens- und Kampfgefährtinnen; ich ging voll schöner Gedanken hinaus in die Nachmittagssonne.

Love für den Busfahrer

Niagärchen

Da für die nächsten Tage schlechtes Wetter gemeldet ist, habe ich mich am Freitag auf zur letzten Wanderung gemacht. Unbedingt wollte ich noch den Partschinser Wasserfall sehen. Der Bus vom Parkdeck Partschins nach Salten fiel wegen eines Unfalls leider aus, wie mir der nette Busfahrer einer anderen Linie erklärte. Aber er habe jetzt Dienstschluss und nähme mich ein Stück mit. Love für den Busfahrer. Den Wasserfall nannte ich neckisch Niagärchen.

Dann lief ich über Stock und Stein Richtung Vellau, da sollte es nämlich einen urigen Lift geben, mit dem wollte ich mal fahren. Außerdem bin ich in den Tschigot verliebt, das ist der Gipfel des Berges, den ich nun längs durchquerte. Ich ging somit auf dem Körper meiner heimlichen Liebe spazieren. Er nahm es recht gelassen hin, nur einmal grummelte er ein bisschen (wahrscheinlich war ich auf eine Warze getreten). Als ich in Vellau ankam, musste ich mich entscheiden, ob ich mit dem urigen Korblift hinauf oder mit dem urigen Sessellift hinunter fahren wollte. Angesichts meiner Liftangst und der schon fortgeschrittenen Zeit entschied ich mich für die Fahrt ins Tal. Ich fragte den Sessellift-Wärter, wie oft schon jemand abgestürzt sei. Er sah mich mitleidig an und schüttelte den Kopf. Ich wertete das als gutes Zeichen, es wirkte so spontan. Auf die Fahrt, die mich ein bisschen traurig stimmte, habe ich euch mitgenommen: Film über das melancholische Schweben nach Vellau hinan auf Instagram

WHEREAMiNOW (6)

22.8. (tagsüber)

WHEREDIDiGO?

Ich war drei Tage südwärts, in Florenz, in Bologna. Ich war sehr damit beschäftigt, darüber nachzudenken, was das eigentlich bedeutet, unterwegs sein, unterwegs sein wollen, unterwegs sein können, ein Teilchen sein im Gewimmel der anderen Teilchen.

Ponte Vecchio in Florenz

Wie selbstverständlich das ist und gleichzeitig wie wenig selbstverständlich es ist. Wie Menschen immer wieder eingesperrt wurden und eingesperrt werden, weil sie definiert werden als Teilchen, die kein Recht haben, sich frei zu bewegen. Wie das sein kann. Wie es anders sein kann, wie es anders sein könnte, wie sehr es mein eigenes Freisein beeinflusst, einerseits, indem ich dankbar bin, dass ich es kann, andererseits wem gegenüber dankbar; sollte das nicht selbstverständlich sein. Andererseits verbunden mit anderen, zu deren Eingesperrtsein ich eine Beziehung habe. Die Beziehung der einen Wahrscheinlichkeit zur anderen.

Auf Wikipedia finde ich eine Tabelle, die einen Überblick über die Beziehungen zwischen Wahrscheinlichkeitsverteilungen liefert, ich bin mir sicher, sie kann mir erklären, wie wir uns entdefinieren und einen Zustand der Superposition erreichen können. Sein, ohne definiert zu sein.

BeschreibungMerkhilfe *)
Das Quadrat einer standardnormalverteilten Zufallsvariable ist Chi-Quadrat-verteilt mit Parameter 1. N_{{0,1}}^{2}=C_{1}
Die Summe unabhängiger Chi-Quadrat-verteilter Zufallsvariabler ist wieder Chi-Quadrat-verteilt.C_{k}+C_{l}=C_{{k+l}}
Die Summe unabhängiger normalverteilter Zufallsvariabler ist wieder normalverteilt.N_{{\mu _{1},\sigma _{1}^{2}}}+N_{{\mu _{2},\sigma _{2}^{2}}}=N_{{\mu _{1}+\mu _{2},\sigma _{1}^{2}+\sigma _{2}^{2}}}
Die Summe unabhängiger Poisson-verteilter Zufallsvariabler ist wieder Poisson-verteilt.P_{{\alpha }}+P_{{\beta }}=P_{{\alpha +\beta }}
Die Summe unabhängiger binomialverteilter Zufallsvariabler mit gleichem Parameter p ist wieder binomialverteilt.B_{{m,p}}+B_{{n,p}}=B_{{m+n,p}}
Die Summe unabhängiger negativbinomialverteilter Zufallsvariabler mit gleichem Parameter p ist wieder negativbinomialverteilt.NB_{{m,p}}+NB_{{n,p}}=NB_{{m+n,p}}
Die Summe unabhängiger Erlang-verteilter Zufallsvariabler mit gleichem Parameter {\displaystyle \alpha }\alpha  ist wieder Erlang-verteilt.E_{{\alpha ,m}}+E_{{\alpha ,n}}=E_{{\alpha ,m+n}}
Die Summe unabhängiger gammaverteilter Zufallsvariabler mit gleichem Parameter b ist wieder gammaverteilt.G_{{b,p1}}+G_{{b,p2}}=G_{{b,(p1+p2)}}
Zusammenhang zwischen Erlangverteilung und Exponentialverteilung.E_{{\alpha ,1}}=E_{\alpha }
Zusammenhang zwischen Erlangverteilung und Chi-Quadrat-Verteilung. E_{{{\frac  {1}{2}},n}}=C_{{2n}}
Zusammenhang zwischen Erlangverteilung und Gammaverteilung.(Für ganzzahligen zweiten Parameter stimmt die Gammaverteilung mit der Erlangverteilung überein.)E_{{\alpha ,n}}=G_{{\alpha ,n}}
Zusammenhang zwischen Weibull-Verteilung und Exponentialverteilung.W_{{0,\sigma ,1}}=E_{{\frac  {1}{\sigma }}}
Sind X und Y unabhängige Zufallsvariable, X standardnormalverteilt und Y {\displaystyle C_{k}}C_{k}-verteilt, dann ist {\displaystyle {\frac {X}{\sqrt {\frac {Y}{k}}}}}{\frac  {X}{{\sqrt  {{\frac  {Y}{k}}}}}} {\displaystyle T_{k}}T_{k}-verteilt.{\frac  {N_{{0,1}}}{{\sqrt  {{\frac  {C_{k}}{k}}}}}}=T_{k}
Sind X und Y unabhängige Zufallsvariable, X {\displaystyle C_{m}}C_{m}-verteilt und Y {\displaystyle C_{n}}C_{n}-verteilt, dann ist {\displaystyle {\frac {\frac {X}{m}}{\frac {Y}{n}}}}{\frac  {{\frac  {X}{m}}}{{\frac  {Y}{n}}}} {\displaystyle F_{m,n}}F_{{m,n}}-verteilt.{\frac  {{\frac  {C_{m}}{m}}}{{\frac  {C_{n}}{n}}}}=F_{{m,n}}
Der Logarithmus einer logarithmischnormalverteilten Zufallsvariablen ist normalverteilt.\ln(LN_{{\mu ,\sigma ^{2}}})=N_{{\mu ,\sigma ^{2}}}
Ist Z negativbinomialverteilt mit Parameter 1 und p, so ist Z − 1 geometrisch verteilt mit Parameter p.NB_{{1,p}}-1=G_{p}
(Wikipedia: Liste von Beziehungen von Wahrscheinlichkeitsverteilungen)

Wir müssen besser suchen

Mir gefällt die Idee der Zufallsvariablen. Danke für die Merkhilfe. Ich ahne, dass es eine Lösung gibt, nur verstehe ich sie nicht, natürlich nicht. Wahrscheinlich niemand, und wer sie versteht, versteht meinen Kontext nicht. Aber es gibt natürlich eine Lösung, wahrscheinlich wurde sie bereits gefunden, nur weiß das niemand. Wir müssen eben besser suchen, länger suchen, leidenschaftlicher suchen, gewissenhafter suchen, altruistischer suchen, suchen, ohne dafür gelobt werden zu wollen. Einfach suchen.

Geschwindigkeitslichter (Photonen zwischen Florenz und Bologna)

Ausgangsverbot in Florenz

Die Ponte Vecchio in Florenz wurde übrigens von einem Obdachlosen namens Burgasso gerettet. 1944 hatten die Nationalsozialisten beschlossen, sämtliche Brücken Florenz‘ zu sprengen, um den Italienfeldzug der Alliierten zu stoppen. Es herrschte strenges Ausgehverbot, nur der obdachlose Burgasso, der den Händlern der Brücke beim Auf- und Abschließen ihrer Geschäfte half, war unterwegs, er war ein alter Mann, halbseitig gelähmt. Offenbar hielten die Nazis ihn für zu harmlos, um sich mit ihm zu beschäftigen. Und so wusste als einziger Burgasso, wo die Minen versteckt lagen. Und wer jemals in Florenz war, weiß wie die Geschichte ausging. Nur das Denkmal für Burgasso suche ich vergeblich inmitten der Mediccis, Da Vincis, Dantes und Brunelleschis.

Nachts

Es gibt die Theorie, dass alles, was um uns herum passiert, nur eine von unendlichen vielen Wahrscheinlichkeiten abbildet. Was aber passiert mit all den anderen Wahrscheinlichkeiten, die wir auch sein könnten und die auch passieren könnten? Sie existieren. Und zwar in einem Paralleluniversum, nein, nicht in einem, in unendlich vielen, etwa 10 hoch 1028 Meter entfernten Galaxien. Wenn es nun Verbindungen zwischen diesen Universen gäbe, so wie es (theoretische) Wurmlöcher zwischen Vergangenheit und Gegenwart und Gegenwart und Zukunft gibt (und unter der Prämisse, dass Zeit nichts anderes als eine pragmatische Beschreibung von Entfernung ist), würde das bedeuten, wir könnten in ein anderes Wahrscheinlichkeitsuniversum switchen?

Utopisch fallen lernen

Wir kriechen zum äußersten Rand der Realitätsgalaxie, auf der wir uns befinden, und lassen uns einfach fallen, und hoffen, dass wir weich fallen. Wir zählen die Sekunden bis zum Aufprall, aber vielleicht zählen wir gar nicht. Vielleicht ist es ein schönes Fallen, ein utopisches Fallen. Da sind wir. Wir machen weiter, aber anders. Es gibt so viele Möglichkeiten und es gibt sehr viele Wahrscheinlichkeiten, dass es anders besser ist. Gerechter ist. Paradiesischer ist. (Natürlich gibt es auch sehr viele, dass es schlechter ist, aber auch die können wir dann ja wieder verlassen, haben wir erst einmal herausgefunden, wie es geht.). Das Christentum kennt nur drei Zustände, Himmel, Hölle, Fegefeuer (wie komme ich jetzt auf Christentum, ach ja, ich bin ja in Florenz). Es gibt unendlich viele. Das Wurmloch heißt – in aktueller Ermangelung einer Alternative – Vorstellungskraft.

Installation vor dem Brunnen auf der Piazza dell’Annunziata, um die hohe Anzahl an Femiziden in Italien zu dokumentieren. In einem Paralleluniversum wäre dies möglicherweise einfach ein schöner Brunnen mit Handtüchern für Menschen, die schwitzen.

P.S. Gibt es eigentlich auch einen direkten Zugang von der Vergangenheit in die Zukunft – eine Art Pater Noster, in das wir einsteigen können, ohne uns lange im Stockwerk der Gegenwart aufhalten zu müssen?

WHEREAMiNOW (5)

17.8.

Eigentlich ist es egal, wo ich gerade bin, auf jeden Fall in Sicherheit. Angesichts der Ereignisse in Afghanistan fehlt mir der Impuls, etwas zu schreiben, das das Entsetzen und die Angst, die himmelschreiende Ungerechtigkeit und die Unfähigkeit des Westen und damit von uns allen unkommentiert lassen würde. Nur, zum Kommentieren fehlen mir ebenfalls die Worte, ich wollte eigentlich schreiben, die Distanz, aber das käme mir zynisch vor. Ich will ja gar keine Distanz. In meinem letzten Beitrag habe ich über die Intra-Aktion gerätselt, die Untrennbarkeit von Objekt und Beobachtungsinstanz. Bedeutet nicht gerade diese Untrennbarkeit, dass es diese Distanz nicht gibt? Dass sie nichts anderes ist als ein Konstrukt, um die Dinge so geschehen zu lassen, wie sie gerade geschehen?

Heute morgen habe ich auf „Daily“, der Podcast-Serie der New York Times, den Bericht von R. gehört, einer afghanischen Reporterin, die seit letzten Freitag von den Geschehnissen in Kabul berichtet. Sie hat bitterlich geweint – vor Verzweiflung und Angst, und vor Wut. Dann kam Werbung. Die einzelnen Beiträge waren mit Musik untermalt. Das meine ich damit: Es fühlt sich einfach nicht richtig an, Ereignissen wie diesen eine Form zu geben, um sie konsumierbar zu machen. Um Distanz zu schaffen. Und dennoch ist es richtig, R. eine Stimme zu geben und die Möglichkeit, Menschen aus der ganzen Welt davon zu berichten, was ihr und ihren Mitmenschen und vor allem den Frauen dort gerade passiert.

Monika Hauser im Gespräch
mit Katia De Gennaro

Letzten Donnerstag war im Rahmen der Sommerlesereihe Monika Hauser, die Gründerin von Medica Mondiale, im beschaulichen Meran. Sie sprach am Thermenplatz über ihre Arbeit in Kriegsgebieten. „Ich wollte eigentlich gar nicht über Afghanistan sprechen, aber ich kann nicht anders, ich muss ständig daran denken“, sagte sie. Die Bundesrepublik habe die Arbeit ihrer Organisation in Afghanistan unterstützt. Mit deutschen Geldern haben afghanische Frauen Bildungsprojekte mit Frauen und Mädchen etabliert, Frauen haben als Juristinnen, Bürgermeisterinnnen, Ärztinnen, Unternehmerinnen und in vielen anderen Berufen gearbeitet. Gerade die emanzipierten und feministischen Frauen sind nun in größter Gefahr. Dass die Bundesregierung zögert, sich für Menschen, die in den letzten 20 Jahren für und mit Deutschland gearbeitet haben, verantwortlich zu fühlen – ihre Wut und Verzweiflung darüber konnte auch sie, die wortgewaltige, kaum in Worte fassen. Hier geht es zu einem Interview mit Monika Hauser über die Situation der Frauen in Afghanistan vom 14.8.

WHEREAMiNOW (4)

Dieses kurze Video habe ich im Kunstmuseum Meran gefilmt: Ich schaue in eine Installation (Unsichtbares Kino, Bernhard Oppl 2016), die eine Publikumsanordnung darstellt. Ich selbst bin die Bühne. Ich imaginiere das Publikum, das mich ansieht. Später gehe ich an einem Bild vorbei, in welchem ich mein Gesicht sehe, wie es in ein imaginiertes Publikum schaut. Ich gehe jetzt noch einmal zur Installation und winke und gehe auf die andere Seite und schaue mir dabei zu, wie ich gewunken habe.

11.8. Meran

Nach meinem letzten Blogeintrag hat sich erstens jemand beschwert (worüber, bitte in WHEREAMiNOW (3) im Nachtrag nachlesen) und zweitens hat jemand anderes gefragt, ob ich über zwei Menschen schreibe, die über einen Spin mit einander verbunden sind, es aber nicht wissen. Ich habe Nein, eigentlich nicht geantwortet, und sie hat nachgebohrt: Über was dann? Mein Zögern hat die Frage an mich selbst aufgeworfen, warum ich eigentlich einen Blog schreibe, wenn ich das Wesentliche für mich behalten will. Gute Frage, auf die ich ohne Beobachtungsinstanz von außen nicht gekommen wäre. Das hört sich fast ironisch an, weil es so selbstverständlich sein sollte, aber was ist schon selbstverständlich?

Den Ausdruck Beobachtungsinstanz habe ich bei Karen Barad gelesen. Barad ist Physikerin und Philosophin und hat über Verschränkungen geschrieben, poetisch, virtuos, geheimnisvoll. Ich lese alle zwei Monate in diesem schmalen, vom Merve Verlag herausgebenen Buch, um zu schauen, ob ich ein bisschen mehr verstanden habe als beim letzten Mal.

Tatsächlich verstehe ich immer mehr (mehr im Sinne von etwas anderes) als beim letzten Mal, wenn auch noch nicht wirklich etwas. Und ob ich dieses Etwas wirklich verstanden habe, bleibt ein Geheimnis, ich bin mir nur nicht sicher, wer es hütet. Es wird wohl auch so etwas wie die Geheimnishüterinneninstanz geben, aber das ist dann das nächste Level, von dem ich noch Quantensprünge entfernt bin (was sehr weit, aber auch sehr kurz bedeuten kann.)

Wo oder was ist die Katze?

Bei der Sache mit der Beobachtungsinstanz geht es eigentlich darum, dass die Position eines Teilchen nur dadurch definiert werden kann, dass es gemessen, also beobachtet, wird. Wird es nicht beobachtet, hat es keinerlei Eigenimpuls zu entscheiden, wo es sich befindet und was es überhaupt ist. Barad nennt das Superposition.

Diese Superposition kennen wir auch von Schrödingers Katze. Die Katze ist in einer Box, in der eine Kapsel mit radioaktiver Materie liegt. Beißt die Katze drauf, ist sie tot, beißt sie nicht drauf, lebt sie. Ob sie lebt oder tot ist, wissen wir nur, wenn wir die Box öffnen. Daraus folgt, dass die Identität eines Teilchens nichts anderes ist als das Ergebnis einer Beobachtung und somit von der Beobachtungsinstanz nicht zu trennen. Allein dadurch, dass es sich in diesem wenn auch nur theoretischen Beispiel (denn Schrödinger hatte gar keine Katze) bei dem Teilchen um eine Katze und nicht um irgendein undefiniertes Elektron handelt, verändert sich unsere Beobachtung.

Wir schauen nämlich auf die Katze mit Mitgefühl und auf das Elektron vermutlich ohne Mitgefühl (Bitte bei mir melden, wer auf das nicht definierte Elektron ebenfalls mit Mitgefühl schaut!). Superposition heißt nicht entweder-oder oder sowohl-als auch oder halbe-halbe – es heißt eher so etwas wie: dazwischen. Und dieses Dazwischen bedeutet laut Barad auch, dass die Behauptung, Identität und Sein gehörten unweigerlich zusammen, nicht aufrechtzuerhalten ist.

Zwischen wird nie wieder das Gleiche sein

Karen Barad, Verschränkungen

Was hat das mit meinem Blog zu tun? Um zu verstehen, was ich eigentlich schreibe und wer ich eigentlich bin, wenn ich schreibe, benötige ich eine Beobachtungsinstanz, die dadurch, dass sie meinen Blog liest, eine Art Messung vornimmt. Erst dann bin ich ein Teilchen, das eine Identität bekommt – wenn auch nur für den Moment (aber der reicht mir eigentlich, mehr Identität als die des Augenblicks verkrafte ich sowieso nicht.). Eine Identität entsteht also nicht durch Eigenimpuls. Oder anders ausgedrückt: Identität entsteht durch unsere sozialen Beziehungen.

… ein Startup für Satellitendaten, eine Autobahn, ein Krankenhaus…

Und um was geht es denn nun in meinem Roman: es geht um das, was beobachtet werden kann. Es geht um das, was geschrieben werden kann, und um das, was gelesen werden kann.

Die insgesamt SECHS Kapitel spielen an unterschiedlichen Orten und Zeitebenen. Die Orte – eine Zeitungsredaktion, ein Einkaufszentrum, ein Start-Up für Satellitenaufnahmen, eine Autobahn inklusive Raststätte, ein Zug, ein Krankenhaus – sind durch Überlagerungen miteinander verbunden, und auch die Figuren, die sich wie kleine Energiepakete (man könnten auch sagen Quanten), durch Raum und Zeit bewegen, sind miteinander verschränkt oder nicht verschränkt oder fast verschränkt. Oft sind sie dazwischen. Die Begegnungen und Nicht-Begegnungen finden im analogen wie digitalen Raum statt, in der Realität, in der Erinnerung, in der Fiktion.

Edithe sieht eine junge Frau mit einem kleinen Hund auf dem Arm Richtung Einkaufszentrum gehen. Der Hund hat gelbe Augen, es geht etwas Vergebliches von ihm aus. Seine Ohren sind nach vorne ausgerichtet und gespitzt, sie sehen aus wie die Umkehrprismen eines Periskops. An der Ampel vor dem Zeisingplatz springt er plötzlich aus den Armen der Frau und läuft bellend davon. Sie ruft etwas und rennt hinterher.

14:10 Uhr, Zeisingplatz
[d:=(x2​−x1​)2+(y2​−y1​)2]​ Wurstbrot

Als IT-Spezialistin kann Patricia sich aussuchen, wo sie arbeitet, und weil sie es hasst, Entscheidungen zu treffen, überlässt sie die Entscheidung der Adresse, an der ihr künftiger Arbeitgeber gehostet ist. Die Willkür der Namensgebung führt sie von Zürich nach Lasslingen, wo es eine Hilbertstraße gibt, und Hilbert ist ihr Lieblingsmathematiker, er hat nämlich das Hotel mit der unendlichen Anzahl von Zimmern erfunden, um zu erklären, was Unendlichkeit bedeutet; was bedeutet denn Unendlichkeit?, hat eine Frau namens Edithe neulich auf einer Party gefragt, und Patricia hat gesagt, stell dir vor, du bist auf der Durchreise und brauchst ein Hotelzimmer und im Internet wirbt ein Hotel damit, unendliche viele Zimmer zu haben, und als du ankommst, sagt der Portier: alle besetzt. Aber Sie schreiben doch, es gäbe unendlich viele Zimmer in ihrem Hotel. Ja schon, sagt der Portier, aber ich habe auch unendlich viele Gäste. Edithe und ein Junge, der sich nicht mit Namen vorgestellt hat, lachen und dann sagt der Junge, das ist mir auch mal passiert, das war in Paris und es gab kein einziges Zimmer, und Edithe sagt, ich war mal in Macau und die Hotels waren so teuer, dass ich die ganze Nacht durch den Regen gelaufen bin. Und dann hat sich Edithe mit dem Jungen unterhalten und der Junge hat sich mit Edithe unterhalten, sie haben sich sehr schnell sehr intensiv über Wassersport unterhalten, dagegen haben Patricia und die Unendlichkeit keine Chance. Zuhause hat sie gegoogelt, wie oft es in Macau regnet, und tatsächlich, es regnet in Macau allein im Juli 350 Stunden, das sind mehr als 11 Stunden am Tag. Dennoch ist Patricia eine Woche lang geknickt: So wird das nie was mit der Unendlichkeit, wenn noch nicht mal sympathische Leute auf Parties sich dafür interessieren.

2016 Macau

Erinnerung ist Wahrnehmung und Vergessen ist ebenfalls Wahrnehmung, wenn auch eine andere als Ignoranz oder Nichtwissen. Das heißt, selbst wenn dieser Blog von absolut niemandem gelesen würde, erfüllte er seinen Zweck. Selbst wenn man Inhalte in einem Buch sofort wieder vergisst, erfüllt das Buch seinen Zweck. Beobachtungsinstanz und Objekt der Beobachtung sind untrennbar. Schreiben bedeutet, (nicht) gelesen zu werden. (Nicht)lesen bedeutet, ein elementarer Teil des Schreibens zu sein.

„Zwischen wird nie wieder das Gleiche sein“, schreibt Karen Barad, die Lyrikerin.

Blaulicht

Was passiert eigentlich, wenn sehr viele Menschen gleichzeitig auf dieselbe Art und Weise und zum selben Zweck auf ein und dieselbe Sache schauen? Das hat 1988 schon Fredl Fesl erklärt, und zwar passenderweise in der Vorrede zu seinem Lied „Für die Katz“: https://www.youtube.com/watch?v=jGTEaj_0FVc

Karen Barad ist Physikerin für Theoretische Teilchenphysik und Quantenfeldtheorie und lehrt Feministische Studien, Philosophie und Geistesgeschichte an der University of California, Santa Cruz. Sie hat einen Hund. Hier geht es zu ihrer Website.

WHEREAMiNOW (3)

5.8. Meran

Heute Nacht hat es geschneit, natürlich nicht im Tal, da hat es aus Eimern gegossen, aber in ungefähr 3000 Metern Höhe. Die Texelspitze ist seit heute morgen schneebedeckt.

Der Arbeitstag gestern war desaströs, zuerst ist ein Onlinetermin ausgefallen, dann habe ich zwei Kapitel über eine Nebelglocke auf der Krim geschrieben, dann war ich einkaufen, dann wusste ich nicht mehr, warum ich über die Nebelglocke geschrieben habe und was die Krim mit Spukhafte Fernwirkung zu tun hat, dann habe ich mir etwas gekocht und am Nachmittag alles mögliche recherchiert, u.a. über welche Narrative sich Albert Einstein und Niels Bohr gestritten haben, um das Phänomen der Elektronenverschränkung zu erklären.

Zwei Teilchen können sich nämlich verschränken, und bleiben selbst dann verschränkt, wenn sie sich an einem entgegengesetzten Ort befinden, also das Lokalitätsprinzip außer Kraft gesetzt ist. Diese Verschränkung äußert sich so, dass wenn man das eine Teilchen misst, das andere Teilchen genau das Gegenteil von seinem Zwillingsteilchen macht. Wenn das eine sich also im Uhrzeigersinn dreht, dreht sich das andere garantiert gegen den Uhrzeiger. Und das, obwohl keine Verbindung zwischen den beiden besteht, das eine also gar nicht „wissen“ kann, was das andere macht.

Einstein hat das als „spukhafte Fernwirkung“ bezeichnet, er wollte nicht einsehen, dass sich etwas unserer Berechenbarkeit entziehen kann. Seine Begründung: Gott würfelt nicht. Bohr dagegen: Stop telling god what to do. Bohr war übrigens Atheist, Einstein nicht. Einstein hat dann die Theorie entwickelt, dass es sich mit den beiden Spins in etwa so verhält wie mit einem Paar Handschuhen, die ich trenne und in jeweils eine Kiste lege. Die eine Kiste schicke ich an meine Adresse, die andere in die Antarktis. Zuhause packe ich meine Kiste aus und sehe, es befindet sich darin der Handschuh für die linke Hand. Also weiß ich (obwohl die anderen Kiste auf einem Eisberg steht und ich nicht in sie hineinschauen kann), dass sich in Kiste zwei der Handschuh für die rechte Hand befindet.

Ring the Bell

Bohr bevorzugte dagegen das Bild von zwei Zahlenrädern (wie wir sie vom Roulette kennen), die nebeneinander stehen. Wenn ich die Räder anstupse, drehen sie sich und kommen nach einer Weile entweder auf einem roten oder blauen Feld zum Stehen. Wenn die Räder spukhaft verschränkt sind, kommt das eine Zahlenrad auf Rot zum Stehen und das andere auf Blau. Warum? Das weiß niemand.

Wer hat nun Recht? Antwort: Bohr. Über dieses Ergebnis ist aber erst viele Jahre später jemand zufällig gestolpert, und zwar der Physikstudent John Clauser, der in einem Archiv gestöbert und einen alten Aufsatz von einem Mann namens Bell aus dem Staub gezogen hat. John Steward Bell, ein nordirischer Physiker und Mathematiker, hatte herausgefunden, dass die Informationen zwischen den beiden Spins so schnell ausgetauscht werden, dass dieser Vorgang nicht gemessen werden kann. Und dass alles, was schneller als Lichtgeschwindigkeit ist, nicht gemessen werden kann, hat wer bewiesen? Antwort: Einstein.

Mich hat vor allem dieser unbekannte Physiker namens Bell interessiert, der ein so wichtiges Problem gelöst hat und doch ist genau das lange niemandem aufgefallen. Erst als es jemand wirklich wissen wollte und angefangen hat herumzustöbern. Wie hoch wohl die Wahrscheinlichkeit sein mag, dass viele unserer Probleme bereits gelöst sind, nur weiß davon niemand (oder will es niemand wissen)?

Über John Steward Bell, der später für das CERN arbeitete und kurz vor seinem Tod für den Nobelpreis für Physik im Gespräch war, findet man auf Wikipedia einen ausführlichen Eintrag.

Ring the Nebelglocke

Am Abend habe ich einen langen Regenspaziergang gemacht, die Straßen waren vom Regen leergenässt, und beim Gehen ist mir auch wieder eingefallen, warum ich über die Nebelglocke auf der Krim geschrieben habe.

Bell heißt übrigens Glocke. Was für ein Tag! Und was für ein Regen! Zum Glück ist die Passer gut eingepassert in ihrem Flussbett.

Nachtrag vom 7.8.:

Bild: CERN

Nach der Beschwerde eines Lesers, dass ich den unbekannten Physiker namens Bell zu wenig gewürdigt und ihm sogar die Nennung seines Vornamens versagt hätte, während Einstein und Bohr mit ihren jeweiligen (bekannten) Vornamen genannt wurden, habe ich ein Einsehen gehabt und John Steward Bell nun angemessen gewürdigt. Sorry, Mr. Bell!

WHEREAMiNOW (2)

3.8. Meran

Die Fahrt von Regensburg nach Meran verlief angenehm ereignislos. Am Irschenberg bin ich rausgefahren, um mir Vignetten für die Inntalautobahn und den Brenner zu kaufen. An der Ausfahrt stand ein Tramper. Es gibt wieder Tramper, dachte ich, wie ich auch schon mal Es gibt wieder Maikäfer oder Es gibt wieder Feministinnen gedacht habe. Mittlerweile sind zum Glück sowohl Maikäfer als auch Feministinnen wieder gesellschaftsfähig. Vielleicht stehen in 10 Jahren an sämtlichen Ausfahrten feministische Tramper:innen, deren goldene Flügel in der heißen Mittagssonne glänzen. Auf dem Schild des Trampers am Irschenberg stand INNSBRUCK und darunter 3G. Während ich mein Auto in den letzten freien Parkplatz quetschte, überlegte ich, was 3G bedeuten könnte. Eine schwache mobile Datenverbindung und somit ein Hinweis darauf, dass er nicht viel Geld besitzt und sich weder eine bessere Datenverbindung noch ein Auto leisten kann? Oder er lehnt 5G ab, weil die schnellen Strahlen Covid-19 verursachen? Gerade hatte ich mich noch darauf gefreut, den Tramper mitzunehmen, als mir erste Zweifel kamen. Kaum waren mir erste Zweifel gekommen, da fiel mir ein, wie lange ich vor vielen Jahren (als es noch Maikäfer und Feministinnen gab, bevor es sie eine sehr lange Zeit lang nicht mehr gegeben hat) manchmal an Autobahnraststätten, Auffahrten, Parkplätzen gestanden hatte, weil in den vorbeifahrenden Autobesitzer:innen soviel Zweifel mitfuhren, ob sie mich mitnehmen sollten, dass sie einfach vorbeifuhren. Viele hatten aber auch gar keine Zweifel und fuhren einfach so vorbei. Einmal sprach ich einen Mann an einer Tankstelle an und er winkte ab: Ich nehme keine Mädchen mit. Warum das denn?, fragte ich. Hernach heißt es, ich hätte dich vergewaltigt, das ist mir viel zu gefährlich, sagte der Mann, hängte den Benzinzapfen in die Zapfsäule und ließ mich stehen.

An der Tankstelle kaufte ich zwei Vignetten, die man seit neuestem nicht mehr an die Innenseite des Autofenster kleben muss, weil sie jetzt digital sind. Als ich zurückkam, war der Tramper schon weg. Und 3G sollte natürlich geimpft-genesen-getestet heißen, ich Depp! Was aber neue Fragen aufwarf. Bedeutet das, dass der Tramper geimpft, genesen und getestet war? Oder zumindest eins von dreien? Großartig, dachte ich, wie dieser Tramper an das Sicherheitsbedürfnis der Autofahrer:innen denkt, von denen er mitgenommen werden möchte. Vielleicht hätte ich das damals auch auf mein Schild schreiben sollen: BRENNER und darunter Zeige keine Vergewaltigungen an. Aber das wäre ja viel zu lang geworden. Also besser: ZkVa. Dann hätten die Autofahrer:innen noch mehr rätseln müssen, was das bedeutet. Und während sie noch gerätselt hätten, wäre ich schon von jemand anderem mitgenommen worden. Als ich den Irschenberg verließ, kam mir noch eine andere Botschaft in den Sinn: Dass der Tramper nur von Autofahrer:innen mitgenommen werden möchte, die 3G sind, geimpft, getestet oder genesen. So selbstbewusst wäre ich gerne gewesen: Ich hätte damals einfach auf mein Schild schreiben sollen: FLORENZ und darunter: Keine Vergewaltigungen! Oder einfach nur KV. Zum Glück, dachte ich, ist mir auch so nie etwas passiert. Und noch erstaunlicher ist, dass ich selbst nie den Wunsch verspürt habe, einen Autofahrer anzuzeigen, einfach so.